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11. August 2009 — Politisches
So könnte der Text auf den Begrüßungsschildern des zukünftigen Landkreises Südvorpommern lauten, legt man das verfügbare Einkommen in den Landkreisen Ostvorpommern und Uecker-Randow im Jahr 2007 zugrunde. Der im Gesetzesentwurf vorgesehene Appendix aus dem Landkreis Demmin und die zu ihrem Bedauern von Ostvorpommern eingekesselte Hansestadt Greifswald ändern an den Zahlen nichts wesentliches.
Im Landkreis Uecker-Randow waren das 13.406 Euro, in Ostvorpommern 13.694 und im Landkreis Demmin 13.916 Euro. Selbst die stolze Universitätsstadt Greifswald kommt nur auf 14.684 Euro, das sind gerade einmal 0,5 % mehr als der Durchschnittswert von Mecklenburg-Vorpommern. Der Durchschnitt in Deutschland liegt bei 18.411 Euro, in den alten Bundesländern (ohne Berlin) bei 19.242 Euro und in den neuen Bundesländern (ohne Berlin) bei 15.064 Euro.In Prozenten ausgedrückt sind das für Uecker-Randow 72,8 %, für Ostvorpommern 74,4 %, für Demmin 75,5 % und für Greifswald 79,8 % des Bundesdurchschnitts.
Um das Elend komplett zu machen: Der Anteil der empfangenen Sozialleistungen (dazu gehören z. B. Einkünfte aus der Altersvorsorge bzw. Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Wohn- und Kindergeld) am verfügbaren Einkommen lag im Landesdurchschnitt bei 40,5 % (Bundesdurchschnitt: 29,7 %). Dreimal dürfen Sie raten, wo dieser Anteil bei den Flächenkreisen in Mecklenburg-Vorpommern am höchsten ist? Bingo. Uecker-Randow 48 % (!), Ostvorpommern 44,2 %, Demmin 44,4 %. Das muss man sich erst mal richtig bewusst machen. Nicht nur das verfügbare Einkommen liegt im Nordosten gerade einmal bei knappen drei Vierteln des Bundesdurchschnitts, es kommt von diesem bescheidenen Einkommen auch noch überproportional viel aus Sozialtransfers. Die Zahlen stammen sämtlich vom statistischen Landesamt M-V.
Willkommen im deutschen Mezzogiorno. Wäre vielleicht der bessere Titel. So aus touristischer Sicht. Denn bei den Touristikern neigt man ja gerne dazu, schlechte Dinge nicht beim richtigen Namen zu nennen oder besser ganz unter den Tisch zu kehren.
24. Juli 2009 — Politisches
Der Journalist Stefan Niggemeier hat im Fäuleton der FAZ einen sehr klugen Artikel über den Zustand der Lokalzeitungen in Vorpommern am Beispiel des Nordkuriers veröffentlicht: Der Notkurier.
Via Ulrich Meyke
17. Juni 2009 — Politisches
Als Euphemismus bezeichnet man gemeinhin Wörter oder Formulierungen, die einen Sachverhalt beschönigend, verhüllend oder verschleiernd darstellen (Quelle: Wikipedia). Ein schönes Beispiel war in den letzten Tagen wieder zu beobachten, als Genosse Steinmauer nicht müde wurde, die sinnlose Verschwendung von Steuergeldern zur zeitweiligen Rettung eines Automobilunternehmens als soziale Wohltat zur Rettung von Wahlchancen Arbeitsplätzen schönzureden.
Auf Ebene der Europäischen Union wird der größte Euphemismus Agrarsubvention genannt. Auch hier zahlt der Steuerzahler vereinfacht gesagt im wesentlichen für Unternehmen, die Produkte in solchen Mengen herstellen, dass sie am Markt nicht mehr oder nur mit Verlusten abgesetzt werden können.
Immerhin hat man jetzt damit begonnen, endlich so etwas wie Transparenz zu schaffen. Auf der Webseite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung gibt es seit neuestem die Möglichkeit, sich die Empfänger von EU-Agrarförderung anzeigen zu lassen. Bei Postleitzahl einfach 174** eingeben, dann sieht man auch alle Empfänger auf Usedom.
Der Spitzenreiter bringt es auf immerhin 662.000 Euro und es gibt einige mehr, die es auf ordentliche sechsstellige Beträge bringen.
22. April 2009 — Politisches
Zumindest wenn es um solche Dinge wie Einkommen geht. Zur Zeit ist es ja für Unternehmen vor allem aus der Finanzdienstleistungsbranche en vogue Berichte von Forschungsinstituten erstellen zu lassen, die sich mit Dingen wie verfügbaren Einkommen und ähnlichem befassen. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat jetzt einen Netto-Netto-Atlas erstellt.
Üblicherweise werden bei solchen Studien alle Steuern und Sozialabgaben vom Bruttoeinkommen abgezogen, der spärliche Rest ist dann das Nettoeinkommen. In der jetzt vorgelegten Studie ist man einen Schritt weitergegangen. Man hat auch noch alle anderen Ausgaben abgezogen, die laut Bundessozialhilfegesetz lebensnotwendig sind, als da wären: Lebensmittel, Kleidung, Körperpflegemittel, Miete, Energie, Mobilität und Kinderbetreuung. Das Ergebnis wird dann als Netto-Netto bezeichnet.
Wie immer bei solchen Erhebungen (angesichts des Ergebnisses für unser Bundesland sollte man es vielleicht besser als Vertiefung bezeichnen) hat Mecklenburg-Vorpommern mal wieder den längsten Namen und das kleinste Ergebnis. Während beim Spitzenreiter Bayern die Bürger 54,2 Prozent ihres Nettoeinkommens frei ausgeben können, sind es in Mecklenburg-Vorpommern nur 40,6 Prozent. Das hört sich nicht so schlimm an, bei näherer Betrachtung ist es das aber, da Meck-Pomm ja auch bei den durchschnittlichen Einkommen pro Kopf letzter ist und die unterste Einkommensklasse der Studie in unserem Bundesland besonders häufig vertreten ist:
In der untersten Einkommensklasse (weniger als 1 000 €) ist das Netto-Netto-Einkommen negativ, die lebensnotwendigen Ausgaben sind also im Durchschnitt bei diesen Haushalten höher als das Nettoeinkommen (in Höhe von durchschnittlich 764 €). Sofern diese Haushalte nicht auf Ersparnisse zurückgreifen können, müssen die lebensnotwendigen Ausgaben mit Krediten finanziert werden.
Ich weiss nicht, ob ich bei solch einer Bemerkung lachen oder weinen soll. Lachen wegen der Naivität (Finanzierung mit Krediten) oder Weinen wegen der reinen Fakten. Die ganze Studie gibt es auf der Webseite des RWI zum Download.
26. Februar 2009 — Politisches, Allgemeines
Die nachstehende Grafik zeigt nicht etwa den Waldbestand oder den Ökozustand, wie man vielleicht annehmen könnte, so schön grün wie im Osten alles ist. Nein, weit gefehlt. Das ist die offizielle Grafik der Bundesagentur für Arbeit, die die Zahl der Arbeitslosen Stand Februar 2009 wiedergibt. Ein Paradebeispiel für einen gepflegten Euphemismus. Wahrscheinlich hat sich der Grafiker frei nach T. C. Boyle gedacht: Grün ist die Hoffnung (auf einen Arbeitsplatz).

Quelle: Bundesagentur für Arbeit.
11. Februar 2009 — Politisches, Allgemeines
MB-Research hat vor ein paar Tagen weitgehend unbemerkt seine jährliche Studie über die Kaufkraft in den einzelnen Landkreisen Deutschlands veröffentlicht. Dazu gibt es auch eine Karte, in der die Landkreise mit der höchsten Kaufkraft violett und die mit der niedrigsten Kaufkraft höchsten Kaufschwäche praktisch farblos sind.

Grafik: MB Research.
Von der Methodik ist es so, dass 100 % der bundesdeutsche Durchschnitt ist und Mecklenburg-Vorpommern wie üblich mal wieder den letzten Platz belegt. Die Kaufkraft pro Einwohner liegt gerade einmal bei 78 Prozent des Bundesdurchschnittes, das entspricht einem Betrag von 14.873 Euro pro Kopf. Leider gibt es nicht nur im Bund ein West-Ost-Gefälle, sondern auch in unserem Bundesland. Hinterm Bindestrich ist alles noch viel schlimmer. Die drei deutschen Landkreise mit der niedrigsten Kaufkraft größten Kaufschwäche sind der Ücker-Randow-Kreis mit 69 % (13.157 Euro/Einw.), der Landkreis Demmin mit 70,2 % (13.383 Euro/Einw.) und ausnahmsweise mal weder letzter noch vorletzter unser Landkreis mit 71,5 % (13.630 Euro/Einw.).
Irgendwie passt das zum gestern auf den Weg gebrachten Gesetz über die zukünftigen Zuschnitte der Landkreise in Meck-Pomm. Da sollen die drei größten Hungerleider ihr Elend dann künftig gemeinsam verwalten. Greifswald als Zugabe macht es insgesamt nicht besser, die liegen trotz Universität auch nur bei 81 %.
Solche Statistiken sind natürlich immer mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten. Schuld sind nämlich die Millionäre. Ja, ganz richtig gelesen. Diese Bande will sich einfach nicht hier ansiedeln, obwohl es doch wirklich schön ist. So ein paar Einkommensmillionäre und schwupp geht es uns allen besser, statistisch gesehen. Das kann ich sogar belegen. Der Landkreis mit der höchsten Kaufkraft pro Einwohner ist Starnberg mit 154,6 % (29.483 Euro/Einwohner, mehr als das doppelte von OVP) und am Starnberger See wohnen bekanntlich die meisten Millionäre Deutschlands.
Das lässt nur eine Schlussfolgerung zu: Die Wirtschaftsförderung darf sich nicht mehr auf die Ansiedlung von Schweinemastfarmen konzentrieren, sondern muss endlich mehr Millionäre hier ansiedeln.
31. Dezember 2008 — Politisches

Wie darf man denn das verstehen? Auf, auf zum fröhlichen Jagen?
Gefunden in der Insel-Zeitung vom 31.12.
29. Dezember 2008 — Politisches
Die F.D.P.-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung hat kurz vor Jahresende ihren Bericht über die wirtschaftliche Freiheit in den Bundesländern 2008 vorgelegt, der auf Daten des Jahres 2006 basiert. Die Auffassung von wirtschaftlicher Freiheit ist dabei eine klassisch liberale:
Wirtschaftliche Freiheit ist dann gegeben, wenn die Menschen unbeeinflusst durch Zwang ihren Geschäften nachgehen, ihre Arbeitskraft und Güter nutzen und Güter produzieren oder tauschen können. Die wirtschaftliche Freiheit kann durch Regierungen und Parlamente vermindert werden, die durch Besteuerung sowie direkte oder indirekte Eingriffe in Märkte die Tauschfreiheit beeinflussen oder behindern.
Meck-Pomm belegt wie im Jahr zuvor Platz 13 unter den Bundesländern, hinter uns landen nur noch Sachsen-Anhalt, Sachsen und Berlin. Spitzenreiter sind Bayern und Baden-Württemberg. Der Vergleich wird über einen Index aus insgesamt 10 Faktoren ermittelt, die sich auf 3 Kategorien verteilen: Umfang der Staatstätigkeit, Steuern und Sozialversicherungspflicht und Sozialhilfe. Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung dieser Faktoren in unserem Bundesland ab 1994.

Quelle: Friedrich Naumann Stiftung
Bei der Anzahl der Sozialhilfebezieher liegt nur noch Berlin mit 13,2 % knapp hinter uns. Der starke Anstieg gegenüber 2004 stammt aus einer Umstellung der Statistik. Im Zuge der Zusammenführung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe (Hilfe zum Lebensunterhalt) zum Arbeitslosengeld II ab dem 1. Januar 2005 wird nicht mehr auf die Anzahl der Sozialhilfebezieher abgestellt, sondern auf die Zahl der erwerbsfähigen Hilfebedürftigen, wie sie seitdem aus der Statistik über die Grundsicherung der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht.
Auch bei den Sozialleistungen in Relation zur Bruttoinlandsproduktion sind wir Vorletzter, nur noch Sachsen-Anhalt liegt knapp hinter uns. Muss man sich mal vorstellen: Knapp ein Drittel (31,9 %) des BIP wird für Transferleistungen ausgegeben. Spitzenreiter ist hier Hamburg mit sagenhaften 11,9 %. Der Anteil der Konsumsausgaben des Staates am BIP ist mit 27,8 % so hoch wie in keinem anderen Bundesland.
Auffällig ist das Absinken des Anteils der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Relation zu den Erwerbstätigen in allen Bundesländern, welches zum Teil dramatische Ausmaße annimmt.
12. Dezember 2008 — Politisches
Wäre es eine, ich hätte gestern zwei große Kartons davon verschickt. Einen an einen Herrn Hariolf Reitmaier und einen an die Zinnowitzer Lokalredaktion der Ostsee-Zeitung. Beim Erstgenannten habe ich allerdings erhebliche Zweifel, ob man die Creme dick genug auftragen könnte um Wirkung zu erzielen. Bei den Letztgenannten besteht dagegen noch Hoffnung und dort würde ein entsprechend dicker Auftrag zumindest erst einmal die Schamesröte überdecken, die sie nach eigenem Bekunden mittlerweile überkommt ob der nachstehenden Veröffentlichung in der gestrigen Ausgabe:
Hans Dornbusch war und ist der personifizierte Gegenentwurf des arroganten Wessis, der in den Osten gekommen war als im Westen gescheiterter Zocker, als Großkotz, oder gar als beamteter Besser-Wessi, der – dank der Wiedervereinigung – im Osten noch in A 14 aufsteigen sollte, obwohl er im Westen mit A 9 längst als Lendenlahmer zur schnellstmöglichen Frühpensionierung angestanden hatte. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel!
Nichts hatte dieser „Unternehmer aus dem Westen“ gemein mit jenen vermeintlichen Geldmenschen „aus der BRD“, oft genug Labertypen und Glücksritter, die den Ostdeutschen von den Segnungen der Marktwirtschaft erzählten.
Anlass für diese Absonderung war der 70. Geburtstag von Hans Dornbusch, Hotelier in Zinnowitz. Dessen Leistungen nicht nur auf Usedom völlig außer Frage stehen und der es ohne Zweifel nicht nötig hat, auf solche Art und Weise gewürdigt zu werden.
Zuerst dachte ich ja, dieser Hariolf Reitmaier sei ein junger, unterbezahlter Volontär ostdeutscher Herkunft, der 1989 gerade den Windeln entstiegen war und wegen schlechter Behandlung seiner Eltern durch “Unternehmer aus dem Westen” schwer traumatisiert ist. Damit lag ich völlig daneben. Herr Reitmaier ist kein Mitarbeiter der Ostsee-Zeitung, sondern nach eigenem Bekunden gegenüber der Zeitung mit Hans Dornbusch bekannt und als Journalist in Süddeutschland tätig.
Er hat seinen offenbar als Hommage gedachten Text unaufgefordert der Ostsee-Zeitung angedient, die ihn dann aus welchen Motiven heraus auch immer, mitsamt dieser unsäglichen Passage veröffentlicht hat. Nicht ohne in der Überschrift noch einmal von sich aus das billige Klischee vom “arroganten Wessi” zu bedienen. 19 Jahre nach dem Mauerfall verschlägt einem so etwas einfach nur die Sprache. Aber wer weiß, vielleicht begeht man in der Ostsee-Zeitung im nächsten Jahr auch nicht den 20. Jahrestag des Mauerfalls, sondern den 60. Jahrestag der Staatsgründung der DDR.
Ich kenne mehrere “arrogante Wessis”, deren Väter bzw. Großväter Opfer der Aktion Rose waren. Alle haben Sie eine gesicherte Existenz aufgegeben, sind ein hohes persönliches Risiko eingegangen, um das Erbe wieder aufzubauen und vielen Menschen Arbeit zu geben. Wie mögen die sich wohl gestern nach der Zeitungslektüre gefühlt haben?
Nachtrag 13.12.2008: Die Ergebenheitsadresse von Herrn Reitmaier gibt es heute auch in der Financial Times Deutschland zu lesen. Interessant zu sehen, welche Passagen in der jeweiligen Zeitung gestrichen bzw. nicht gestrichen wurden.
20. November 2008 — Politisches
D-Radio Kultur hatte den heutigen Länderreport wieder einmal unserem Landkreis gewidmet. Almuth Knigge setzt sich sehr fundiert mit den Strategien der Partei mit dem unaussprechlichen Namen auseinander und zieht auch die richtigen Schlüsse:
Ostvorpommern ist ihr Aufmarschgebiet, Anklam, das Tor zur Sonneninsel Usedom, ihr Leuchtturm.
Sie setzt sich auch mit der Front Deutscher Äpfel auseinander, die überall dort auftauchen, wo die Unaussprechlichen auch sind, kürzlich auch in Anklam und deren Aktionen im wahrsten Sinne des Wortes veräppeln. Es wird auch ausgesprochen, was mir schon die ganze Zeit durch den Kopf geht und wirklich Anlass zur Sorge ist:
- bei den Kommunalwahlen im nächsten Jahr zeichnet sich ein Erfolg der Rechten ab. Schon jetzt werden Zuzüge in kleine Dörfer organisiert, um geeignete Kandidaten aufstellen zu können. Die demokratischen Parteien machen es ihnen nach wie vor leicht - mangels Präsenz vor Ort, vor allem auf dem Land ist die *PD in manchen Gegenden nahezu ohne Konkurrenz.
Das klingt hart, ist aber so. Jeder, der mit offenen Augen durch unseren Landkreis zieht, kann diese Zeichen erkennen.
Nachlesen kann man den Beitrag hier und nachhören hier.