Hoffnung auf polnisch

Politisches

Am Freitag brachte die dpa eine Meldung zur Karniner Brücke, die am späten Nachmittag auch vom NDR aufgegriffen wurde mit dem Titel Hoffnung auf Wiederaufbau. Die Ostsee-Zeitung titelte über den gleichen Sachverhalt am Samstag auf der Landesseite:

Polen bemüht sich um Bahnbrücke nach Usedom

Nun hat die Redaktion der Ostsee-Zeitung offenbar eine eigenartige Definition von Polen. Beim gemeinen Leser erweckt die Schlagzeile den Eindruck, polnische Institutionen oder doch wenigstens eine Vielzahl von Polen unterstütze den Wiederaufbau der Karniner Brücke. Zum Beginn des Textes in der OZ liest sich das zunächst auch so:

„Für den Wiederaufbau … gibt es dank polnischer Hilfe offenbar neue Hoffnung.“ Im nächsten Satz wird dann die Schlagzeile und der einleitende Text konterkariert: „Wie Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) gestern im Schweriner Landtag sagte, bemüht sich ein Europaabgeordneter aus der Region Stettin um eine bessere Anbindung …“

Ein Pole. Einer. Daraus wird bei der OZ: „Polen bemüht sich um Bahnbrücke nach Usedom“. Es könnte sich natürlich auch um einen Schreibfehler handeln. Obwohl: „Pole bemüht sich um Bahnbrücke nach Usedom“ wäre eine selten … aber lassen wir das. Den wichtigsten Teil der Nachricht haben dpa, NDR und OZ wie so häufig unterschlagen.

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Bei dem Polen handelt es sich um den EU-Abgeordneten und früheren Verkehrsminister Bogusław Liberadzki (Stellvertretender Vorsitzender Bund der Demokratischen Linken), der unter anderem Mitglied im Ausschuss für Verkehr und Tourismus ist. Nun darf man nicht vergessen, dass in Kürze Wahlen zum EU-Parlament anstehen und Herr Liberadzki für die gemeinsame Liste von Bund der Demokratischen Linken und Arbeitsunion wieder ein Mandat erringen möchte. Er befand sich also bei der Vorstellung seines Konzeptes „The Usedom Crossing“ Ende Februar bereits im Wahlkampfmodus. Und dieses Konzept hat einen riesigen Haken: Es verknüpft den Wiederaufbau der Eisenbahnbrücke mit dem gleichzeitigen Bau des Straßentunnels unter der Swine in einem einzigen EU-Projekt.

Diese eigenwillige Art der Unterstützung gibt also nach Meinung der Medien Anlass auf Hoffnung?

1 Kommentare

  1. Das ist typisch Hochwertblatt: Aus einem Hinterwind einen Donnerschlag machen und ihn über einen Kamm scheren.
    Damit ist aber das Bedrucken von Papier gegen Geld mit Wahlkampfpropaganda gerechtfertigt. (Oft genug gibt es keinen Grund, dennoch kommt Informationsmüll ins Blättle, weil die Seiten möglichst schnell und bequem zu befüllen sind.)
    Gemein ist es nur, den Wahlkämpfer zu verschweigen.

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