Chronik eines Skandals

Politisches

Abriss der Villa Aegir Bansin

Arne Reiher hat in seinem Blog die Akteure, ihr Treiben und die zeitlichen Abläufe dargestellt, die am Ende zur illegalen Aufhebung des Denkmalschutzes für die Villen Aegir und Emma in Bansin geführt haben. Und zu dem Abriss, der gerade stattfindet: Wer Exwirtschaftsminister kennt, hat es leichter mit Behörden…

[alert type=““]§ 20 Denkmalschutzgesetz (DSchG M-V)

Durchsetzung der Erhaltung

(1) Kommen Eigentümer, Besitzer oder sonstige Unterhaltspflichtige ihren Verpflichtungen nach § 6 nicht nach und tritt hierdurch eine Gefährdung der Denkmale ein, können sie von der unteren Denkmalschutzbehörde verpflichtet werden, erforderliche Erhaltungsmaßnahmen im Rahmen des Zumutbaren durchzuführen.

(2) Erfordert der Zustand eines Denkmals zu seiner Instandhaltung, Instandsetzung oder zu seinem Schutz Maßnahmen, ohne deren unverzügliche Durchführung es gefährdet würde, können die Denkmalschutzbehörden diejenigen Maßnahmen selbst durchführen oder einleiten, die zur Abwendung einer unmittelbaren Gefahr für den Bestand des Denkmals geboten sind. Eigentümer und Besitzer sind verpflichtet, solche Maßnahmen zu dulden. Eigentümer, Besitzer und sonstige Unterhaltungspflichtige können im Rahmen des Zumutbaren zur Erstattung der entstandenen Kosten herangezogen werden.[/alert]

Dem Whistleblower, der die ganzen Unterlagen zur Verfügung gestellt hat, muss man wirklich dankbar sein. Es dürfte selten so sauber dokumentiert worden sein, wie sich ein Landkreis vorsätzlich über ein Gesetz hinwegsetzt, nur um die wirtschaftlichen Interessen eines Bauträgers zu befriedigen.

Die Botschaft für erhaltungsunwillige Eigentümer von Baudenkmälern ist klar: Finde jemanden, der genug „Druck“ ausübt und dir wird geholfen. Gesetz hin, Gesetz her.

Leider habe ich vergessen, wer mir den Spruch gesagt hat, aber er passt ziemlich gut zu dieser Nummer: „Der größte Standortvorteil von Ostvorpommern ist seine Nähe zu Deutschland.“

Morgen gibt es dann eine Geschichte über den unglaublichen Eifer der Kreisverwaltung der Landesbauordnung zur Geltung zur verhelfen.

9 Kommentare

  1. Was weiß denn die kritische Hochwert-Heimatzeitung darüber zu berichten?

  2. Jürgen sagt

    Über den Fall als solchen wurde berichtet. Eine Stellungnahme der Kreisleitung einzuholen, erschien offenbar entbehrlich. Eine richtige Zeitung hätte da deutlich mehr daraus gemacht.

  3. Bansina sagt

    Guten Tag,
    ich bin über den Abriss der Häuser Aegir und Emma in Bansin sehr erschüttert. Wieder verschwindet völlig unnötig ein Stück Bansin. Die Abrissfotos von Blogger Bando (danke für en Link) sind sehr schmerzhaft. Ich ahne, was statt dessen gebaut wird. Bansin hat dann endgültig „sein Gesicht“ verloren. Ich habe einen familiären Bezug zur Villa Emma. Ich kann zur Vergangenheit des Eckgeschäftes in der Villa Emma (Buchhandlung Runne) etwas betragen, das wohl nicht mehr bekannt ist, und mit einem Foto belegen.

    Im Bando-Blog wird Herr Spalink so zitiert:
    >>Die „Emma“ in der Bergstraße – Ecke Strandstraße wurde laut Chronik 1904 vom Schuhmacher Pritz erbaut und dann an den jüdischen Kaufmann Rosenthal vermietet, der im Hause einen Textilhandel betrieb. (wahrscheinlich im Bereich der jetzigen Buchhandlung Runne). Also auch in Bansin – dem „arischen Bad von Ruf“ eine die Regel bestätigende Ausnahme.<<

    Diese "Ausnahme von der Regel" hat leider nur längstens bis zum Juni 1935 gedauert. Meine Großmutter Gertrud Sonnewald betrieb in dem genannten Eckgeschäft ein Mode- und Handarbeitsgeschäft. Ein Foto meiner Großmutter vor ihrem Geschäft, aufgenommen im Juni 1935, ist in meinem Besitz. Da meine Familie ein ähnliches Geschäft auch in Brandenburg hatte, vermute ich, dass das Bansiner Geschäft nur "zur Saison" geöffnet war. Gewohnt wurde in der Wohnung über dem Geschäft. Ich war bis Sommer 1944 regelmäßig mit in diesem Haus. Obwohl damals noch sehr klein, kann ich mich gut erinnern.

    Es gibt leider nichts Schriftliches meiner Familie über ihre Bansiner Zeit bis 1945 – nur viele Fotos. So weiß ich nicht, ab wann genau und von wem meine Großmutter das Ladenlokal mietete. Ich weiß auch nicht, ob der genannte Herr Rosenthal der unmittelbare Vormieter des Ladens war. Meine Hoffnung ist, dass es der Familie Rosenthal gelungen ist, Deutschland rechtzeitig zu verlassen. Ist gar nichts über ihren Verbleib bekannt?

    Vielleicht kann ich mit dieser Info eine kleine Lücke in der Geschichte der Villa Emma schließen. Das Foto maile ich Ihnen bei Interesse gerne zu.

    Danke für den passenden wunderbaren "Spruch der Woche" von Ruskin! Ich habe John Ruskin noch lange nachrecherchiert.

  4. Jürgen sagt

    Werte Bansin,

    sehr schön wieder einmal von Ihnen zu lesen. An dem Foto bin ich natürlich sehr interessiert.

    John Ruskin hat in der Tat eine beeindruckende Vita.

  5. Fritz Spalink sagt

    Liebe Bansina, da ich z.Z. an Publikationen zu „geliebten Denkmahlen und ungeliebten Denkmählern“ und zum“ freigewählten Ghetto, der Geschichte der Juden in den Bädern“ arbeite bin ich sehr an einem Gespräch mit Ihnen und den Bildern interessiert.

  6. Nicole Maares sagt

    Gibt es denn jemanden, der – dem Anschein nach rechtswidrigen Vorgehen – in Sachen Abriss Haus Aegir versucht, Einhalt zu gebieten und wieder ordentliche Verhältnisse herzustellen? Was tun die Gemeindevertreter?

  7. Mandy Hoffmann sagt

    Ist das der neue Geist, der mit dem neuen Bürgermeister eingezogen ist ! RESPEKT !

  8. Jürgen sagt

    @ Mandy Hoffmann

    Was bitte hat das mit dem Bürgermeister zu tun? Schuld an dem Desaster ist einzig und allein der Landkreis.

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