Es war einmal vor langer Zeit …

Bauliches

… in dem wunderschönen Seebad Wansin auf der nicht minder schönen Insel Osodum, da trug sich die folgende Geschichte zu. Nachdem die vier Waisen aus dem Osten, dem Westen, der Übersee und einer kritischen Insel zusammen mit Helmut dem Dicken und Lothar dem Letzten beschlossen hatten, auch im Osten endlich wieder Monopoly spielen zu lassen, kamen wie überall im Land die Spieler mit Taschen voller Geld aus allen Richtungen nach Wansin.

Alle wollten dabeisein, wenn es galt, um all die schönen Grundstücke zu würfeln. Es wurde gekauft und verkauft, Ereigniskarten gezogen und der ein oder andere wanderte auch ins Gefängnis ohne über Los zu gehen. Es gab nämlich ein paar Spieler, die hatten sich die dicken Taschen nicht voller Geld, sondern voller Zeitungspapier gestopft, was aber den Taschen von aussen nicht so einfach anzusehen war. Schon bald hub ein gewaltiges Bauen an. Bergstraße, Seestraße, Poststraße oder auch Badstraße – es wurde gebaut und gebaut. Groß, größer und manchmal sogar noch größer. Wansin blühte und gedieh auf das prächtigste.

Eines aber war den Gemeindeoberen ein Dorn im Auge. Ausgerechnet die beiden schönsten und teuersten Grundstücke, die Parkstraße und die Schlossallee am Meeresstrand lagen brach. In der Parkstraße saß tief unten im Orlop ein besonders schlauer Spieler, der selige Stein, hoffend auf die passende Ereigniskarte. Er wartete und wartete geduldig und dann war es soweit: „Gehen Sie vor bis zur Schlossallee“. Sofort hub ein gewaltiges Planen an und die Gemeindeoberen waren begeistert. Endlich jemand, der die beiden Zahnlücken im Angesicht ihres schönen Ortes füllen wollte. Und wie er sie füllen wollte. Der selige Stein versprach ein Grand Hotel zu bauen, das alles da gewesene in den Schatten stellen sollte.

Das ist es, was wir schon immer haben wollten, sprach Klaus der Lange, seines Zeichens Dorfschulze. Endlich sollten die ganz Reichen und ganz Schönen eine angemessene Bleibe wie nirgendwo sonst auf der Welt im wunderschönen Wansin bekommen und der Ort noch prächtiger blühen und gedeihen, als man es sich in den kühnsten Träumen vorzustellen wagte. Und der selige Stein hielt was er versprach. Das Bauwerk wurde so grande, wie man es noch niemals zuvor in Wansin gesehen hatte und es stellte alle Häuser in den Schatten, die vorher schon da gewesen waren. So geschah es, dass durch ein grandioses Missverständnis aus dem wunderschönen Seebad ein beliebiger Badeort mit Schattenpromenade auf der nicht mehr ganz so schönen Insel Osodum wurde.

1 Kommentare

  1. Cogitoergosum sagt

    Pomopoly! Aber eigentlich fehlen in dem Märchen vom Seebad Wansin noch Knolli-Jo und der Droschkenprinz vom Wansiner Rathausplatz. Die waren ja auch völlig selig und haben auf Stein hoffend geglaubt, das Grandhotel werfe seine Schatten bereits voraus.

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