Schach dem König

Gastbeitrag von Wolfgang Abraham

Die Gemeinde Ostseebad Heringsdorf führt in ihrem Wappen eine Krone und mancher nennt sie gern „Kaiserbäder“. Bürgermeister Kottwittenborg hat in seinem Amtszimmer viele Reminiszenzen an Friedrich II., einen seinerzeit weltpolitisch erfolgreichen und dennoch umstrittenen König Preußens, der die Ideale seiner Jugend brachial verriet, aufgebaut.

Es sei deshalb gestattet, die Turbulenzen um die Kaiserbäder-Tourismus-Service- GmbH, kurz KTS, mit einem königlichen Spiel zu vergleichen – mit einer Schach-Partie. Das scheint zulässig, geht es doch um viel … Macht, Einfluss, Ansehen und nicht zuletzt Geld. Macchiavelli hätte seine Freude.

Die Umstände der Amtsenthebung von Rechtsanwalt Robert Schmidt als Geschäftsführer der KTS legen den aus dem Schachspiel bekannten Begriff „Bauernopfer“ nahe. Dies würde indes dem brillanten, wenngleich etwas zur Hybris neigenden Schmidt nicht gerecht. Im Schachspiel käme ihm eher die Position des Springers oder des Läufers zu. Dafür spricht, dass er vorläufig (?) weiterhin kommissarisch Geschäftsführer der Usedom-Tourismus-GmbH bleibt.

Eine Mehrzweckfigur als Opfer?

Vielleicht ja, denn das Spiel ist wohl über das Stadium der Bauernopfer hinaus. Es muss um mehr gehen, als bisher sichtbar. Der Bürgermeister ist nervös, sonst würde er nicht Gespräche mit Schmidt führen wollen, dessen Entlassung er gerade betrieben hat, nachdem er ihn jahrelang hofierte. Das eigentliche Bauernopfer muss schon früher stattgefunden haben. Subjekt muss eine Person sowohl aus dem Umfeld Schmidts als auch Bürgermeister Kottwittenborgs sein. Wer sie findet, hat vielleicht auch die Quelle gefunden, die den Vorgang öffentlich gemacht hat. Übrigens trägt auch sicher einer der Bauern den Namen Joachim Saupe – seine Opferung steht vielleicht noch bevor.

Wer sind die anderen Figuren im Spiel? Zur Rolle des Turms passt ohne Zweifel der geschasste Geschäftsführer der Usedom-Tourismus-GmbH Bert Balke. Wer hat ihn – mit wessen Deckung – warum aus dem Feld geschlagen?

Der König? Als der sieht sich selbst gern Kottwittenborg. Aber wer das Spiel kennt, weiß, dass er eine nur sehr eingeschränkt bewegungsfähige Figur ist, vollkommen abhängig von seinen Offizieren.

Der wichtigste wird im deutschen Sprachgebrauch etwas missverständlich als „Dame“ bezeichnet – der strategisch fähigste und handlungsfähigste Offizier des Königs. Die Dame kämpft am härtesten, sie hat nur zwei Alternativen – zuerst selbst fallen und den König dem baldigen Untergang preisgeben oder gemeinsam mit dem König untergehen.

Wer ist die Dame in diesem KTS-Spiel?

10 Kommentare
  1. Jürgen sagt:

    Sehr feine Allegorie, Wolfgang. Die Antwort auf die letzte Frage erscheint einfach und beschreibt das eigentliche Problem: Es ist keine Dame im Spiel.

  2. eberhard sagt:

    Der Weg führt vermutlich über eine der involvierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die bisher in diesem Umfeld tätig war.

  3. peter sagt:

    fürwahr eine schöne allegorie. doch eines fehlt mir in Ihrem etwas einseitigen spiel, der gegner.

    Sie werden es sich leicht machen und sagen, es sei das volk.

    aber wenn Sie mich fragen, finden wir einige der figuren der anderen seite auch hier auf diesem blog. die springer, die türme und läufer. und bauern. einen könig und seine dame habe ich noch nicht ausmachen können. ich bleibe gespannt.

    Ihr peter

  4. Jürgen sagt:

    @ Peter

    Hier auf dem Blog finden sich bestenfalls ein paar unwissende Bauern. ;-) Aber gelegentlich wird ja ein Bauer in eine Dame verwandelt.

  5. Didi sagt:

    Wikileaks XXXS
    Oho, der Usedomspotter mausert sich zum Forum ungesagter “Wahrheiten”. Bin gespannt, was das Spielchen noch so ans Licht bringt.
    Klasse Beitrag von W. Abraham!

  6. Joachim Mohr sagt:

    Wo sind auf Usedom nur die bedächtigen, lösungsorientierten Menschen, von denen ich nach der Wende so viele kennenlernen durfte. Sie muss es doch auch heute noch geben. Das Problem KTS-Personalien muss einfach nur gelöst werden, ein Theater bringt an dieser Stelle nichts und das macht im übrigen Herr Bordel weit besser. Wenn ich in den vergangenen Jahren oft von Problemen auf Usedom erfahren habe und wie damit umgegangen wurde, dann tat es mir oft im Herzen weh.
    Usedom und seine Menschen haben es verdient, dass diejenigen, deren Aufgabe es ist, die Probleme zu lösen, von allen anderen bei dieser Aufgabe unterstützt werden. Zusammenhalten ist gefragt, nicht draufschlagen!

  7. Jürgen sagt:

    Na hallo, das ist ja ein netter Gast!

    Um Deine Frage zu beantworten: Entweder sind sie weggezogen oder haben sich frustriert abgewendet.

  8. tiefseetaucher sagt:

    … ist jener legendäre Robert Schmidt nicht Geschäftsführer (andere sagen Bademeister) in der Ostseetherme Usedom? Und sind das nicht jene Profis dieser Ostseetherme, die den Laden im Januar schließen – also genau dann, wenn andere Bademeister in geschlossenen Anstalten die höchsten Umsätze des Jahres einsacken?

    Kann hier nochmal jemand den Zusammenhang zwischen dem Haushaltsgesetz und dem Gehalt des Bademeisters erklären? Und vielleicht noch mal die Sache mit den sechstelligen Insichverträgen der Badeanstalt?

  9. tiefseetaucher sagt:

    … was hat denn der Notkurier in der Sache recherchiert? Der Laden schafft es ja nicht mal ein Archiv für die Artikel von gestern vorzuhalten.

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