Und wer schützt uns?

Am Dienstag fand in Geringsdorf eine Sitzung der Gemeindevertretung statt, bei der es um die Zukunft des Geschäftsführers der Kaiserbäder Tourismusservice GmbH (KTS), Robert Schmidt, ging. Die Gemeindeverwaltung hatte so ziemlich jeden aufgeboten, dessen sie habhaft werden konnte: Kommunalaufsicht des Landkreises, Kommunalaufsicht des Innenministeriums, Landesrechnungshof, aktueller Wirtschaftsprüfer der KTS. Seltsamerweise war der Vertreter des bisherigen Wirtschaftsprüfers, der eine sehr fragwürdige Rolle in dem Mobbing gegen Robert Schmidt gespielt hat, nicht eingeladen.

Zu Beginn der Sitzung versuchten einige Gemeindevertreter, den betreffenden Tagesordnungspunkt in öffentlicher Sitzung behandeln zu lassen. Unterstützt wurde dieses Ansinnen von Robert Schmidt und sämtlichen Aufsichtsratsmitgliedern der KTS mit Ausnahme von Helmut Friedrich, dem Vorsitzenden der Gemeindevertretung. Die erklärten nämlich schriftlich ihr ausdrückliches Einverständnis mit öffentlicher Behandlung. In der anschliessenden etwas erhitzten Diskussion kam die interessanteste Begründung zur nichtöffentlichen Behandlung von der Vertreterin der kreislichen Kommunalaufsicht, Kerstin Ring:

Man muss die Leute ja auch vor sich selbst schützen.

Gemeint waren damit offenbar die Gemeindevertreter sowie der Geschäftsführer der KTS und die Mitglieder des Aufsichtsrates, die nun gerade erklärt hatten, nicht vor sich selbst geschützt werden zu wollen.

Man fragt sich in solchen Momenten als Bürger wer eigentlich uns vor Leuten schützt, die vor sich selbst geschützt werden müssen.

Kurz vor Ende der Sitzung, nach beinahe dreistündiger Beratung kam es dann zum Beschluss, der Bürgermeister solle den Geschäftsführer abberufen, man (die antragstellende Mehrheit) habe wegen der hohen Bezahlung kein Vertrauen mehr in den Geschäftsführer. Es wurde nicht eine Sekunde darüber diskutiert, welche finanziellen Auswirkungen dieser Beschluss hat. Nicht eine Sekunde, obwohl der Vertreter des Innenministers in der Sitzung erklärt hatte, der Anstellungsvertrag des Geschäftsführers sei wirksam.

Eine Abwägung, ob es nicht besser sei einen mit 160.000 Euro im Jahr möglicherweise überbezahlten, aber offenbar unbestritten fähigen Geschäftsführer zu haben, als für eine Weiterzahlung von 100.000 Euro im Jahr bis Ende 2014 keinen Geschäftsführer, hat überhaupt keine Rolle gespielt. Nicht eine Sekunde. 400.000 Euro zu verbrennen bis 2014 für nichts war keine Sekunde der Diskussion wert. Kein warnender Hinweis auf das finanzielle Desaster von den Koryphäen der Kommunalaufsicht des Landkreises, der Kommunalaufsicht des Innenministeriums und des Landesrechnungshofes. Nichts. Nada. Niente. Nic.

Um was ging es da eigentlich? Um das Wohl der Gemeinde?

P.S.: Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich hätte weder als Geschäftsführer einen solchen Anstellungsvertrag, wie ihn Robert Schmidt hat, haben wollen, noch hätte ich als Aufsichtsrat einem solchen Vertrag zugestimmt. Und ich habe auch Bauchschmerzen bei der Höhe der Vergütung. Aber der Vertrag ist offenbar wirksam in der Welt und so etwas löst man nicht durch ignorieren. Die Zeche werden am Ende wieder all jene bezahlen, die nichts dazu können. Aber das sind wir aus der großen Politik ja schon gewöhnt.

10 Kommentare
  1. Müllerchen sagt:

    Die Mehrheit der Gemeindevertretung hatte offensichtlich eine klare Anweisung, wie abzustimmen war. Von Nachdenken stand da nichts drin.
    Diese Typen sollten als Zeichen ihrer Amtswürde einen Ring durch die Nase tragen, der die Gravur “KK” trägt.

  2. Edward sagt:

    Seltsam, die Debatte über eine öffentliche Debatte. Die Kommunalverfassung legt doch richtigerweise fest, dass solche Diskussionen (darüber, ob ein Punkt entweder doch öffentlich oder doch lieber nichtöffentlich diskutiert werden soll) nichtöffentlich geführt werden muss. Aber so haben wir wieder mal einen Beweis über Befähigung der Personen, die in Anklam die Kommunen beaufsichtigen sollen.
    Ansonsten völlig d-accord zum PS. :-)

  3. claus sagt:

    Liege ich richtig in der Definition von:
    “KK” ?

    (K)haos Kommando Kaiserbäder ?

    Also meine Damen und Herren, – die ganze Sache jetzt auf ein paar Fuzzis vom KK- Club Anklam anzulasten halte ich für gewagt. Keine Frage ,-wenn Schmidt jetzt noch ein Ablöse von 8000€ pM. bekommt, dann müssten aber noch ein paar Köpfe rollen. Gelle ? Das verklickert mal der Öffentlichkeit , die wird schäumen. Da freut sich das Pack der NPD.
    Viel interessanter ist doch die Frage wer saß im Aufsichtsrat und stimmte zu, bzw. welche Interessen waren denn mit einem Vertrag an Schmidt verbunden und bitte schön, wo sind denn die BWA / Rechnungsprüfungsberichte / Bilanzen als Beleg für eine angebliche gute Arbeit Schmidt`s nachzulesen ? Oder sollten mit der Politik Schmidt`s nicht ganz andere Ziele verfolgt werden gestützt vom Aufsichtsrat und div. anderen Gremien, Personen ? Da liegt doch der eigentliche Hase im Pfeffer – das wird noch interessant . Also dickes Gehalt als Erfüllungsgehilfe und in der Funktion als Rechtsanwalt für die Sicherstellung Rechtlicher Belange ?
    @Jürgen wie war das nochmal mit dem geplanten Verkauf des Flughafens an die KTS ? Muss ich jetzt ab nächstem Jahr höhere Landegebühren abdrücken zur Finanzierung fragwürdiger Entscheidungen ? Nichts für Ungut, – mach ich doch gerne schon rein aus Fliegerischer Solidarität. Holm und Rippenbruch !!!

  4. Jürgen sagt:

    @ claus

    Die Nazis haben schon reagiert, die Flugblätter liegen schon in den Haushalten.

    Wer am Ende neuer Gesellschafter oder Mitgesellschafter der Flughafen Heringsdorf GmbH wird bleibt abzuwarten. Nächstes Jahr ändert sich erst Mal nichts an den Landegebühren. Kannst also beruhigt kommen.

  5. Hannes Albers sagt:

    Bürgermeister nicht als Aufklärer,
    sondern als weihnachtlicher Märchen-Onkel:

    Apart. Apart. Derzeit, Freitag 16 Uhr, liest der Heringsdorfer Bürgermeister Klaus Kottwittenborg
    im Bansiner Hans-Werner-Richter-Haus Märchen
    vor Kindern und Erwachsenen. Wilhelm Busch,
    auch Max und Moritz. Ein Schelm….

    Dieser Mann, der seiner Aufgabe in Heringsdorf nicht gewachsen ist, soll Ordnung in den chaotischen Laden der Dreikaiserbänder (mit KTS und UTG) bringen?

    Märchenstunde pur!

    Hannes Albers, Benz, Usedom

  6. claus sagt:

    Super Sache – “Kotti der Märchenonkel.”

    Finden wir alle ganz geil was Du da machst, vor allem dass Du übers Wochenende nachdenken musst, damit im Glühschwein Rausch am Montag alles vergessen ist .

    Die Halbwertzeit in Zeiten der Französischen Revolution wäre schon längst überschritten.

    Mal sehn wie das Volk sich entscheidet, entweder Guillotine oder Hängen ?

    Also ich wär fürs Hängen auf dem Friedensplatz !

    Das spart der KTS die Kosten für die Reinigung fettiger Blutflecken.

    Fröhliche Weihnachten !

  7. Fritz sagt:

    Da bräuchte es schon einen echten Herakles um die Ställe des Augias, pardon Kottwittenborg auszumisten. Und dem würde es genauso ergehen wie dem Helden der Antike.

  8. Müllerchen sagt:

    Nein, keinen Herakles. Nur ein Verwaltungsgericht. Gegen diesen Beschluss werden einige Gemeindeverteter klagen, wenn sie nicht vorher von Kotti …äh… beeinflußt werden.

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