Hingehen und mitmachen!
In den Kommentaren zu einem Spruch der Woche hatte der Tagelöhner gefragt, was man denn unternehmen könne und ich antwortete:
Gleichgesinnte suchen, Engagement entwickeln, aktive Teilnahme an Entscheidungsprozessen bei jeder zulässigen Gelegenheit. Öffentlichkeit schaffen.
Jetzt gibt es eine sehr gute Gelegenheit dazu. Vor kurzem fand in Heringsdorf die Auftaktveranstaltung zur Fortschreibung des städtebaulichen Leitbildes aus dem Jahr 2007 statt, praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Es waren gerade einmal knapp dreissig Besucher da, darunter immerhin ganze acht Gemeindevertreter, die Historische Gesellschaft war mit drei Mitgliedern vertreten, ein paar Mitarbeiter der Verwaltung und einige wenige unverdrossene Einwohner. Allerdings wurde die Veranstaltung im Vorfeld praktisch nicht beworben. Wenn ich nicht als berufener Einwohner eine persönliche Einladung bekommen hätte, wäre es an mir auch vorbeigegangen.
Herr Rilke von der beauftragten Planungsgruppe 4 aus Berlin war so freundlich, mir seine Präsentation von der Auftaktveranstaltung zur Verfügung zu stellen (geht am besten im Vollbildmodus auf der Webseite von Slideshare):
Fortschreibung Leitbild Heringsdorf
Warum ist eine starke Teilnahme der Einwohner wichtig? Mit der Fortschreibung des städtebaulichen Leitbilds sollen die Entwicklungslinien für Heringsdorf bis zum Jahr 2020 erarbeitet und am Ende durch die Gemeindevertretung beschlossen werden.
Zur Erinnerung: Im ersten Leitbild von 2006 wurde unter anderem auch die “Neue Mitte” (EKZ) festgeschrieben, die in der Bevölkerung sehr umstritten ist. Kurzum, das Leitbild dient zur Begründung von allem, was in den nächsten Jahren an Bebauungsplänen entwickelt wird.
Besonders heikel aus meiner Sicht ist zum Beispiel der Standort “Haus der Erholung” in Ahlbeck. Im ersten Leitbild ist dort eine öffentlichen Nutzung vorgesehen, die nach meiner ganz persönlichen Meinung dort auch stattfinden muss. Nun gibt es aber im Rathaus Bestrebungen, auch diesen Standort noch mit einem Hotel zuzupflastern. Es wird also mit ziemlicher Sicherheit den Versuch geben, die öffentliche Nutzung für diesen Standort aus dem Leitbild herauszunehmen. Das alleine reicht schon aus, um sich in Breite in den Veranstaltungen zur Erarbeitung der Fortschreibung zu engagieren.
Auch die ein oder andere These im Leitbild, zum Beispiel die Vorstellung der Entwicklung einer Doppelstadt Heringsdorf-Swinemünde, ist leidenschaftliche Diskussion wert.
Am 25. Mai, 18.00 Uhr findet im Saal Bansin-Ückeritz des MARITIM-Hotels Kaiserhof ein erster Workshop statt. Diskutiert werden soll in drei Arbeitsgruppen:
1. Ortsteilentwicklung und Identität
2. Tourismus und Wirtschaft
3. Deutsch-polnische Kooperation
Hingehen! Mitmachen! Den Usedomspotter treffen!
Für alle, die es nicht kennen (und das dürften sehr viele sein) gibt es hier die Broschüre des Leitbildes aus dem Jahr 2007 zum herunter laden: Städtebauliches Leitbild Heringsdorf 2007
Ich habe am Donnerstag den 14.04.2011 an der Eröffnungsveranstaltung der Gemeinde Heringsdorf zur Fortschreibung des städtebaulichen Leitbildes teilgenommen. Dazu zwei Anmerkungen:
1. Von Herrn Rilke (Planungsgruppe P4) wurde erwähnt, dass die vorliegenden Verkehrskonzepte Grundlage der Fortschreibung sein sollen. Dies kann nicht sein. Diese sind in der Bürgerschaft höchst umstritten und können nicht stillschweigend übernommen werden. Zunächst müsste gerade das diskutiert werden, was umstritten ist.
2. Wieder tauchte als Entwucklungsziel im Verhältnis Swinemünde-Heringsdorf der fatale Begriff “Doppelstadt” auf.
Was z. B. für die Orte Mainz – Wiesbaden gelten mag, gilt nicht hier. Tatsächlich handelt es sich um eine mehrpolige Region, in der verschiedene Standorte ganz spezifische Eigenarten haben, die es weiterzuentwickeln gilt. Dies ist kein gegeneinander, sonder je vielfältiger und lebendiger sich diese Region entwickeln wird, desto mehr wird sie auch den vielfältigen Ansprüchen der nachfragenden Gesellschaft entsprechen können.
Schon der Vater der Regionalplanung W. Christaller führte dazu aus:
“Die Bedeutung, die ein Ort erlangen kann, hat nichts mit Größe, Anzahl seiner Bewohner oder gar Gebäudehöhen zu tun.”
Dies wurde gerade auch durch die kurzen Ausführungen von Herrn Spalink von der Historischen Gesellschaft über die Gründungsväter der Kaiserbäder sehr deutlich. Es ist vielmehr der Intensitätsgrad des Zusammenwirkens der in einem Ort wirtschaftenden Bewohner, die sich ja wohl gerade in Abgrenzung zu Swinemünde zu Heringsdorf bekannt haben.
“Dieser Intensitätsgrad des Zusammenwirkens ist es, den man meint, wenn man einen Ort bedeutsam, blühend oder schön nennt.”
Die negativen Schlagzeilen aus Heringsdorf, in denen es im Wesentlichen in selbstzerstörerischem Ränkespiel um Macht und Positionen geht, müssen überwunden werden – und da führen – statt sich auf die eigenen Kräfte zu besinnen Worthülsen wie “Doppelstadt” nur weiter in die Irre.