Der Mantel des Schweigens
In der Vergangenheit war es guter Brauch, dass allmonatlich die neuesten Tourismuszahlen unter großem Jubelgetöse veröffentlicht wurden. Man hatte sich an Zuwächse gewöhnt und fiel dem absurden Glauben anheim, es gebe immer währendes Wachstum bei den Übernachtungszahlen.
Im Januar musste das Getöse bereits ausfallen. Die Übernachtungen gingen landesweit um 5,4 % zurück. Besonders stark betroffen war wieder einmal Rügen mit -15,5% und auch Usedom mit dem Appendix Vorpommern mit -8,2%.
Dann geschah etwas seltsames. Normalerweise werden die Zahlen des jeweiligen Monats spätestens sieben Wochen nach dessen Ende durch das Statistische Amt Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht. Aber nicht im Februar 2010. Dessen Zahlen sind bis heute nicht bekannt gemacht. Wahrscheinlich hat es den Verantwortlichen im Land die Sprache verschlagen bei einem Rückgang bei den Übernachtungen von 12%. Wieder an der Spitze: Rügen mit -25,6% (!) und Usedom mit -12,8%. Haben sie irgendetwas davon in der Presse zu lesen bekommen oder gar einen Erklärungsversuch gehört?
Gestern dachte ich schon, dieser Beitrag wäre von der Zeit überholt. Auf der Seite des Statistischen Amtes gab es eine Presseerklärung zu den Märzzahlen, von denen ich ähnlichen Umgang wie mit denen aus dem Februar erwartet hatte, nämlich Unterschlagung.
Ich muss dazu erklären, dass ich schon seit Jahren verschiedene Newsletter der Statistiker abonniert habe, natürlich auch den für Handel, Tourismus und Dienstleistungen. Da werden sonst auch die Tourismuszahlen verschickt. Gestern aber nicht. Die Pressemitteilung ist seit gestern online, ob sie an die Redaktionen verschickt wurde, weiss ich nicht. Ich vermute es aber, da eine andere Pressemitteilung von gestern heute in den Tageszeitungen eine Rolle spielte.
Im März war landesweit erneut ein Minus von 3,6% zu verzeichnen, das aber durch einen Zuwachs bei den Campingplätzen gemindert ist. Im Bereich der Hotellerie waren es -6,7%. Auch hier wieder an der Spitze Rügen mit -5,8% und Usedom mit -13,3%.
Wie gesagt, ich dachte dieser Beitrag sei gestorben. Bis ich heute morgen die beiden Tageszeitungen aufschlug und keine Silbe über die Übernachtungseinbrüche zu lesen war.
Man nennt es den Mantel des Schweigens.
Woher hast du denn die Zahlen, wenn das Statistische Landesamt sie nicht veröffentlicht?
Natürlich passen diese von dir genannten Zahlen ganz und gar nicht zu den alljährlichen Jubelmeldungen. Anstatt zu schweigen sollte man sich doch mal über die Ursachen Klarheit verschaffen. Dass allein die Finanzkrise daran Schuld sein soll, kann ich mir nicht vorstellen, schon allein deshalb, wenn man im Sommer das tägliche Verkehrschaos miterleben darf.
Man hat so seine Quellen. Das betraf auch nur die Februarzahlen, Januar und März wurden ja veröffentlicht.
In meinem beruflichen Umfeld habe ich schon im November ein schwaches Tourismusjahr 2010 vorhergesagt. Aus meiner Sicht gibt es mehrere Gründe, von denen der ein oder andere auch temporärer Art ist:
1. Wirtschaftskrise spielt eine Rolle, jedoch eher bei preiswerteren Quartieren. Bei den Nachfragern für diese Quartiere reicht es noch für den Haupturlaub, aber eben nicht mehr für den Nebenurlaub in der Vor- und Nachsaison.
2. Der Winter hat sicher auch seinen Teil getan.
3. Alle beweglichen Feiertage in diesem Jahr fallen auf Wochenenden.
4. Nach meiner Meinung hat Rügen sein Potenzial an Erstbesuchern mittlerweile ausgeschöpft. Auf Usedom dürfte das in 3 – 4 Jahren auch soweit sein. Die spannende Frage wird sein, ob die jetzigen Zahlen bei weniger “Neukunden” durch Wiederholer, sprich Stammgäste, zu halten sind. Ich bin da skeptisch.
Lassen wir uns mal von den Aprilzahlen überraschen. Auch die werden negativ sein.
28.05.2010 und es sieht nicht nach Sonnenschein aus
Ich kenne niemanden der bei solch einem Wetter gern verreist, außer die Elite der Wanderer. Bin mal gespannt wie das Wetter im Juni wird. Aber mein Enthusiasmus für frohe Sonnenstunden hat keinen Kampfgeist mehr.
Die Verkehrslage auf der Insel wird auch Jahr für Jahr bescheidener. Von diesem Problem haben schon Gäste aus dem südlichsten Winkel Deutschlands gehört.
Hoffen wir das der Flughafen Heringsdorf seinen Sache gut macht, denn damit wird dieses Problem schon mal leicht entlastet.
Ich kann mich auch an keinen Mai auf der Insel erinnern, der derart nass und kalt war.
Überlege schon, ob ich meinen alljährlichen November-Blues vorverlegen soll.
Die Februarzahlen sind auf der Webseite des Stat. Landesamtes zu finden (pdf):
http://service.mvnet.de/statmv/daten_stam_berichte/e-bibointerth07/handel–tourismus–dienstleistungen/g-iv__/g413__/2010/daten/g413-2010-02.pdf
Mittlerweile, ja. Sie konnten ja schlecht die Märzzahlen da reinstellen ohne die Februarzahlen zu veröffentlichen.
Am Freitag vergangener Woche sprach Herr Backhaus in Stralsund von insgesamt 150.000 Übernachtungen weniger in ganz MVP für das erste Quartal 2010. Als Gegenmassnahme empfahl er beten für schöneres Wetter……
Da hat der Herr Backhaus es aber nicht so ganz genau genommen mit den Zahlen.
Laut statistischem Landesamt sind es 196.613 Nächte weniger. Damit liegt man unter dem Niveau von 2005, da waren es 2.122.831, in diesem Jahr sind es noch 2.112.079.