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Ostvorpommern und die Partei, deren Namen ich nicht aussprechen mag

D-Radio Kultur hatte den heutigen Länderreport wieder einmal unserem Landkreis gewidmet. Almuth Knigge setzt sich sehr fundiert mit den Strategien der Partei mit dem unaussprechlichen Namen auseinander und zieht auch die richtigen Schlüsse:

Ostvorpommern ist ihr Aufmarschgebiet, Anklam, das Tor zur Sonneninsel Usedom, ihr Leuchtturm.

Sie setzt sich auch mit der Front Deutscher Äpfel auseinander, die überall dort auftauchen, wo die Unaussprechlichen auch sind, kürzlich auch in Anklam und deren Aktionen im wahrsten Sinne des Wortes veräppeln. Es wird auch ausgesprochen, was mir schon die ganze Zeit durch den Kopf geht und wirklich Anlass zur Sorge ist:

- bei den Kommunalwahlen im nächsten Jahr zeichnet sich ein Erfolg der Rechten ab. Schon jetzt werden Zuzüge in kleine Dörfer organisiert, um geeignete Kandidaten aufstellen zu können. Die demokratischen Parteien machen es ihnen nach wie vor leicht - mangels Präsenz vor Ort, vor allem auf dem Land ist die *PD in manchen Gegenden nahezu ohne Konkurrenz.

Das klingt hart, ist aber so. Jeder, der mit offenen Augen durch unseren Landkreis zieht, kann diese Zeichen erkennen.

Nachlesen kann man den Beitrag hier und nachhören hier.

Spruch der Woche

Viele sagen, die Rassenschranken seien gefallen. Das ist nicht wirklich so… Es ist doch so: Bush hat als Weißer ein Chaos hinterlassen und jetzt kommt ein Schwarzer und muss aufräumen.“

(Harald Schmidt in „Schmidt & Pocher“, ARD, 6. November 2008, via Daily Ivy)

Ich mag die Sendung nicht mehr, seit Pocher da mitmacht, aber der Spruch ist wirklich Klasse. Jetzt verstehe ich endlich, warum die Republikaner einen alten Mann und das amerikanische Pendant zu Frau Ypsilanti ins Rennen geschickt haben. Die wollten verlieren, um die Drecksarbeit nicht machen zu müssen.

Spruch der Woche

Gefunden im aktuellen Armutsbericht der OECD:

Erwerbstätigkeit ist ein sehr wirksames Mittel, um Armut zu vermeiden.

Schlicht aber wahr. Allerdings schränkt die OECD das gleich im nächsten Absatz wieder ein:

Erwerbstätigkeit reicht als Schutz vor Armut jedoch nicht aus.

Hätte man auch gut als Spruch der Woche nehmen können. Eine deutsche Zusammenfassung des Berichtes der OECD gibt es hier.

Was einen wirklich betroffen macht, ist diese Aussage der OECD:

Seit dem Jahr 2000 haben in Deutschland Einkommensungleichheit und Armut stärker zugenommen als in jedem anderen OECD Land. Der Anstieg zwischen 2000 und 2005 übertraf jenen in den gesamten vorherigen 15 Jahren (1985 – 2000)

Zu diesem Erfolg der Bemühungen um soziale Gerechtigkeit, die sich ja fast alle Parteien auf die Fahne geschrieben haben (Anm.: Wenigstens eine gibt zu, dass sie das nicht interessiert), fällt mir in Abwandlung eines Werbespots, ein neuer Werbeslogan für die Politik ein:

Diäten für 612 Abgeordnete? 60.000.000 Euro im Jahr.
Rettung von verantwortungslosen Bankrotteuren in der Finanzwirtschaft? 500.000.000.000 Euro in einer Woche.
Erhöhung des Kindergeldes um 50 Euro? Unbezahlbar.

Erste Usedomer Bank zusammengebrochen

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Bankenkrise auch unsere schöne Insel erreicht. In Heringsdorf auf dem Schuldenberg ist es dann passiert: Die erste Bank ist zusammengebrochen. Wie auf dem nachfolgenden Bild unschwer zu erkennen, liegt die Ursache des Bankencrashs an schwerer, innerer Fäulnis.

bankencrash.jpg

Die Absicht unserer Regierung in Bärlin, das Bankenwesen durch Verstaatlichung vor dem Zusammenbruch zu retten, lässt die Bankrotteure aber schon wieder von einer schönen neuen Bankenwelt träumen. Heimlich wurde bereits an der Wiederauferstehung gearbeitet:

bankencrash_2.jpg

Am Ende hatte Erich Honecker doch recht: “Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.” Er hat nur die Tiere verwechselt. Richtig muss es heissen: “Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Bär noch Bulle auf.”

Spruch der Woche

In Tagen wie diesen, in denen der Begriff Kapitalverbrechen eine ganz neue Definition erfährt, dreht sich auch der Spruch der Woche ums Kapital.

Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn, 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle
menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, dass es nicht riskiert.

Berühmt geworden ist der Spruch durch Karl Marx, in Wahrheit stammt er aber von dem englischen Schuhmacher und Gewerkschafter Thomas Dunning.

 Nachtrag 10.10.2008: Neben dem Begriff Kapitalverbrechen wird auch der des Bankräubers gerade neu definiert. ;-)

Politik und Logik

Im März diesen Jahres gab es eine sehr heftige Auseinandersetzung zwischen unserem Innenministerium und dem Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) über die Entwicklung von Straftaten im grenznahen Raum nach dem Beitritt von Polen zum Schengener Abkommen. Das Ministerium behauptete, die Kriminalitätsrate im Bereich der Grenze zu Polen sei nach Abschaffung der Grenzkontrollen zurückgegangen und der BDK das genaue Gegenteil. Laut Ostsee-Zeitung von heute hat unser Innenminister gestern auf einer Pressekonferenz im Rahmen der “Danziger Gespräche” eingeräumt,

es gebe “punktuelle Anstiege von Kleinkriminalität” etwa auf der Insel Usedom.

Das kann man dann wohl als Punktsieg für den BDK bezeichnen. Trotz dieser Aussage versteigt sich in der gleichen Pressekonferenz Bundesinnenminister Schäuble zu der Aussage, die Grenze zu Polen sei sicherer geworden. Seltsame Logik, aber es kommt noch besser. Zitat Ostsee-Zeitung:

Mobile Streifen im Grenzgebiet hätten den Fahndungsdruck noch erhöht, so Schäuble in einem Vortrag. Wenn Statistiken jetzt höhere Kriminalitätszahlen auswiesen, sei das eher ein Erfolg: “Diese Taten kannten wir vorher noch nicht.”

Wie soll man denn das verstehen? Höhere Kriminalitätszahlen sind ein Erfolg? Man muss vermutlich schon sehr lange in der Politik sein, um höhere Kriminalitätszahlen als Erfolg zu deuten. Frei nach dem Motto: Wir reden alles schön. In Wahrheit bedeutet das doch nichts anderes, als dass in der Vergangenheit die Kriminalitätszahlen die wahre Situation nicht wiedergegeben haben. Dazu fällt mir ein schöner Aphorismus von Georg Christoph Lichtenberg ein:

Der eine hat eine falsche Rechtschreibung und der andere hat eine rechte Falschschreibung.

Wenigstens verstehe ich jetzt die Logik hinter dem jahrelangen Stellenabbau bei Landes- und Bundespolizei. Je weniger Polizisten draußen rumlaufen, desto weniger Straftaten kennt man, desto niedriger ist die Kriminalitätsrate. Das eröffnet ganz neue Wege in der Kriminalitätsbekämpfung.

Spruch der Woche

Ein guter Politiker ist ein Experte im Bekämpfen von Parteifreunden.

Gelesen bei Don Alphonso in den Kommentaren.

Falsche Überschrift

zz79ed0b11.jpgNachdem ich hier schon am 10. August über die erschreckend niedrigen Durchschnittsverdienste in Meck-Pomm geschrieben hatte ist das Thema heute auch in der OZ angekommen. Allerdings mit der völlig falschen Überschrift. Richtigerweise müsste es lauten:

So wenig verdient man in MV

… etwas Besseres als die Ausbeutung findest du überall …

Dieses etwas abgewandelte Zitat aus den Bremer Stadtmusikanten kommt mir in den Sinn, wenn ich die jüngste Veröffentlichung unseres statistischen Landesamtes mit dem trockenen Titel Ergebnisse der Verdienststrukturerhebung 2006 lese. Der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst in Mecklenburg-Vorpommern lag demnach im Oktober 2006 bei 2.246 Euro (Bundesdurchschnitt: 3.093 EUR). Der durchschnittliche Nettomonatsverdienst betrug 1.471 Euro (Bundesdurchschnitt: 1.986 Euro). Im Jahr 16 nach der Einheit liegt also der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst bei gerade mal 72,61 % und der Nettomonatsverdienst bei 74,02 % des Bundesdurchschnitts. Kein Wunder also, wenn gut ausgebildete, junge Leute unser Bundesland in Scharen verlassen.

Den niedrigsten Jahresverdienst 2006 hatten Friseure mit 12.345 Euro (Bundesdurchschnitt: 15.787 Euro), das entspricht einem Nettoverdienst von 679 Euro im Monat. Denken Sie an diese Zahl, wenn Sie beim nächsten Friseurbesuch wieder mit dem Trinkgeld knausern wollen.

Noch ein paar Zahlen zum Staunen gefällig? In Betrieben mit beherrschendem Einfluss der öffentlichen Hand betrug der durchschnittliche Bruttostundenverdienst im Oktober 2006 bei Frauen 17,97 Euro und bei Männern 17,68 Euro, in Betrieben ohne bzw. mit eingeschränktem Einfluss der öffentlichen Hand waren es 9,52 Euro bzw.11,17 Euro. Dazu erspare ich mir einen Kommentar.

Wie war das noch mit dem FDGB?

In der Südthüringer Zeitung schreibt Thomas Bickelhaupt unter dem Titel “Organisiert in den Urlaub - Der staatlich geförderte Feriendienst war für die DDR ein grandioses Verlustgeschäft” über die Funktionsweise des Feriendienstes des FDGB. Für Leser aus den westlicheren Gefilden wissenswerte Informationen, auch über die Aktion Rose.