Lesen bildet
Die Ostsee-Zeitung vermeldet heute auf der Titelseite des Lokalteiles eine schlimme Ente.

Dumm nur, dass es die Arbeitsgruppe “Junges Usedom” des Tourismusverbandes schon lange nicht mehr gibt. Noch dümmer, dass es sogar in der Ostsee-Zeitung vom 8.12.2009 gemeldet wurde:
Gut ein Jahr lang stand der Arbeitskreis Junges Usedom unter der Obhut des Tourismusverbandes Insel Usedom. Jetzt steht die Selbstständigkeit an: am 4. Februar 2010 soll in der Trassenheider Seeklause der Verein „Junges Usedom“ gegründet werden.
Am 9.3.2010 wurde noch einmal nachgeschoben:
Bis Ende April will der jüngst gegründete Verein „Junges Usedom“ seine eigene Homepage präsentieren.
Besonders unangenehm ist diese Ente, weil man das Verhältnis zwischen Frau Maus, Vorsitzende des Vereins “Junges Usedom” und dem Tourismusverband, dessen Vorstandsmitglied sie auch ist, spätestens seit der Mitgliederversammlung in dieser Woche, als angespannt noch sehr freundlich umschreibt.
Lesen bildet. Besonders das Lesen der Zeitung, die man selbst verantwortet.
Ich glaube das junge Usedom lebt und arbeitet schon lange woanders. Auf der Seite http://www.jungesusedom.de wird Reklame für Fensterreinigung für 1,50 gemacht. Ich denke da kann wohl auf Usedom kein junger Mensch von leben. Die ganzen Diskussionen bringen besonders den Jungen nicht viel, wenn die Wirklichkeit viel Schlimmer aussieht. Aus meiner Sicht sollte man einmal über einen Mindestlohn reden. Von diesen hätte das Junge Usedom auch mal was. Da hört man ja leider sehr wenig von den Touristikern. Bringen sollen es willige ausländische Arbeitskräfte, z.b. Stettin.
Hört sich gut an, Junges Usedom stand unter der Obhut des Tourismus Verbandes. Besser wäre wohl gewesen, es hätte sich eine Opposition entwickelt und nicht Resignation. Vielleicht hätten dann nicht so viele junge Menschen Usedom verlassen. Meine Eltern haben in einem Hotel gearbeitet, und haben mich geraten in einer anderen Region zu lernen und zu arbeiten. Ich verbinde die Arbeit im Hotel mit dem Gefühl der Wertlosigkeit und geringen Lohn. Sieht man viele Usedomer als Gäste in den schönen Restaurants auf der Insel? Noch nicht einmal die Preise in der Ostseetherme sind für Usedomer Familien mit Kindern, entsprechend ihres Lohnes gemacht. Urlaubsgäste erhalten eine OstseeThermeCard oder auf Kurkarte Ermäßigung und Usedomer Familien sollen 42,00 EUR für 3 Stunden zahlen. Solche Strukturen können nur funktionieren, wenn alles dem Tourismus untergeordnet wird und ein Potential an Arbeitskräften vorhanden ist, die alles mit sich machen lassen.
Die Diskussion mit den Arbeitskräften aus Polen, die kommen sollen, wenn keine Einheimischen mehr zu den Arbeitsbedingungen arbeiten können, halte ich mehr für ein Druckmittel gegen die letzten Usedomer Arbeitnehmer, als eine Lösung des Problems. Was macht man, wenn die Polen nach einiger Zeit auch zu Teuer werden, weil sie dann als Arbeitnehmer ja auch auf Usedom leben müssen? Nur polnische Singles, die in der Heimat günstig bei Mama und Papa wohnen und das Streckennetz der UBB verlängern in polnische Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit?
Ich denke, solange immer noch günstige subventionierte Praktikanten und Umschüler vom Arbeitsamt kommen, wird es immer so weiter gehen wie bisher. Arbeitnehmer aus dem weiteren Umland erhalten für die Saison Fahrgeld vom Arbeitsamt und bilden dann Fahrgemeinschaften und kommen dann wieder ein Jahr über die Runden. Hotelbetreiber können durch die indirekten Subventionen niedrige Löhne zahlen, der Staat sorgt für die soziale Absicherung der Arbeitnehmer. Sind die Übernachtungspreise und die Preise im Restaurant deshalb günstiger? Wem das gefällt bleibt auf der Sonneninsel, der Rest wandert aus. Als kleiner Nachtrag, hier in Regensburg scheint die Sonne noch viel länger, jedenfalls regnet es weniger.