Vor 10 Jahren, in der Nacht vom 23. auf den 24. Juli 2000 haben vier rechtsradikale Ahlbecker Jugendliche den Obdachlosen Norbert Plath hinter der Ahlbecker Kirche zu Tode getreten.
Es wäre ein Anlass gewesen, es hätte einer sein müssen, um die Glocke in dem aus diesem traurigen Grund errichteten Glockenstuhl im Rahmen einer kleinen Gedenkstunde zu läuten.
Heidi Diehl hat heute im Neuen Deutschland einen ausführlichen und gut zu lesenden Artikel über ihre Insel-Safari mit Gunnar Fiedler veröffentlicht. Unter dem Titel “Jenseits von Ahlbeck und Heringsdorf” kommt echte Begeisterung zum Ausdruck. Hier gibt es auch noch eine Bildergalerie dazu.
Diese Frage muss man sich wohl ernsthaft stellen, wenn man sich den heutigen Lokalteil ansieht. Ein gutes Drittel der ersten Seite schmückt das Bild eines Dackels und die Mitteilung über den Beginn der Hundstage. Illa Klein, die ausweislich des Impressums kein Mitglied der Redaktion ist, versucht sich dann gleich noch als Wettervorhersagerin:
In der Regel wird das eine Zeit mit stabiler Hochdruckwetterlage und warmen Luftmassen.
Da sind wir dann ja mal gespannt. Dumm nur, dass die Hundstage kein meteorologisches, sondern ein astronomisches Phänomen sind, wie man auf Astrowetter schön nachlesen kann.
Neben zwei kleinen Abschriften aus dem Polizeibericht ist der Rest der Seite dem Thema Ehescheidungen gewidmet. Zugekauft von einer freien Journalistin handelt dieser Artikel nur in vier kurzen Sätzen von der Situation in Ostvorpommern, der Rest sind Bundes- und Landeszahlen. Abgesehen davon, dass er Schnee von gestern ist. Die zitierte Pressemitteilung des statistischen Landesamtes stammt bereits vom 8. Juli, der Artikel wurde weitestgehend wortgleich bereits am 8. Mai in der südthüringischen Zeitung “Freies Wort” veröffentlicht.
Noch peinlicher als diese billige Seitenfüllerei ist die Tatsache, dass in der Redaktion offenbar niemand dieses Geschwurbel gelesen hat. Anders kann man sich die Überschrift
Immer mehr Frauen setzen Schlussstrich unter die Ehe
nicht erklären. Im Text steht nämlich genau das Gegenteil:
Die Männer emanzipieren sich sich jedoch auf diesem Gebiet langsam: Seit Anfang der 1990er Jahre beobachtet das Statistische Landesamt eine Zunahme von männlichen Antragstellern.
Kann ich mir jetzt aussuchen, was ich glauben will? Auch die Zwischenüberschrift
Zahl der von Scheidung betroffenen Kindern nimmt weiter ab
passt ins Bild. Sowohl von der Rechtschreibung als auch vom Kontext. In der Grafik direkt darunter werden die Unterschiede zwischen den Jahren 2008 und 2009 als Entwicklung (!) dargestellt und siehe da: In Ostvorpommern ist die Zahl der betroffenen Kinder gestiegen. Unter der Grafik steht dann in sinnfreiem Zusammenhang als Erläuterung: Die Zahl der Scheidungen von Langzeitehen hat sich seit Anfang der 90er Jahre mehr als verdoppelt.
In diesem Stil geht es in der Insel-Zeitung flott weiter. Eine Drittelseite mit einem Bericht über die Sommerferien von Kindern der Gemeinde Kleve in Lassan, ein weiteres Drittel über einen Sommerkurs für Kinder mit Diabeteserkrankungen in Karlsburg und einem Vorkommnis in Ducherow, eine halbe Seite über die Band einer Minimusikschule in Krien und eine weitere halbe Seite über die Sanierung der Kirche in Wietstock. Was haben alle diese Orte gemeinsam? Bingo. Keiner hat etwas mit Usedom oder mit Wolgast zu tun.
Es gibt immerhin ganze zwei Artikel aus Wolgast. Einer berichtet über die erste Bürgerkonferenz unseres Ministerpräsidenten, eigentlich ein spannendes Thema. Eigentlich. Die Expertin für Hundstage hat nämlich fleissig die durchaus interessanten Fragen aufgezählt, nur leider bekommt der verblüffte Leser die Antworten von Herrn Sellering nicht zu lesen. Mich hätte schon interessiert, was der Ministerpräsident zur Umgehung in Wolgast, zum Atommüll in Lubmin oder zu einer gerechten Wichtung von Kultur zu sagen hatte. Aber da waren die Nachrichten aus Karlsburg, Krien und Wietstock natürlich wichtiger.
Man hätte allerdings auch die halbe Seite Traueranzeigen nehmen können, die aus Demmin, Templin, Mirow, Medow, Pasewalk und Rosenow stammen. Oder die halbe Seite Eigenwerbung für Familienanzeigen zum Schulanfang. Dann hätte man ordentlich Platz für die Antworten des Ministerpräsidenten gehabt.
Der zweite Artikel über Wolgast ist auch nur ein billiger Lückenfüller, produziert von der Lokalredaktion in Pasewalk. Weil es eigentlich um ein Bildungswerk von dort geht.
Einen besonderen Höhepunkt steuert noch Jörg Franze bei, ebenfalls kein Redaktionsmitglied, in der täglichen Kolumne “Ganz nebenbei”. Die ganz nebenbei bemerkt leider nicht mehr das ist, was sie zu Zeiten von Uwe Reißenweber einmal war.
Alle schimpfen auf BP, aber eine wirkliche Vorstellung davon, wie es ist, dieses Leck in der Bohrplattform zu schließen, hat keiner. Doch manches Problem kann man auch im eigenen Umfeld und mit einfachen Mitteln nachstellen, um sich einen Eindruck zu verschaffen.
Nehmen Sie beispielsweise den Gartenschlauch, drehen das Wasser voll auf und spielen beim abendlichen Wässern gedankenverloren am Patent-Steckverschluss der Spritzdüse. Wenn diese dann durch unqualifiziertes Rumfingern abgefallen ist und sich das Wasser schwallweise aus dem Schlauch ergießt, dann versuchen Sie, die Spritzdüse wieder aufzustecken. Sehen Sie, so ungefähr geht es BP.
Abgesehen davon, dass das Leck nicht in der Bohrplattform ist, sondern in 1.500 Metern Tiefe und abgesehen davon, dass eine solche Umweltkatastrophe nicht geeignet ist für infantile Vergleiche mit Gartenschläuchen, löst jeder normal Begabte das Problem ganz einfach: Schlauch hinlegen und Wasser abdrehen.
Wenn ich jetzt alles zusammenfasse, habe ich in der heutigen Insel-Zeitung nicht einen einzigen Artikel von der Insel zu lesen bekommen, sondern eine Menge absolut belangloses Zeug aus dem Landkreis ohne jeden Nachrichtenwert. Das ganze mit möglichst großen Bildern, damit nicht so viel Text geschrieben werden muss. Das bewegt sich mittlerweile auf dem Niveau eines kostenlosen Anzeigenblattes. Und es liegt mit Sicherheit nicht an einem Mangel an Themen auf der Insel oder in Wolgast.
Leider wird das wohl Normalzustand werden bei der Insel-Zeitung des Notkuriers. Das Redaktionsbüro in Heringsdorf wurde bereits aufgelöst, eine ohnehin verwaiste Redakteursstelle gestrichen und die verbliebene Redakteurin hat keinen Stuhl in der Anklamer Redaktion. Jedenfalls kann man sie dort nicht erreichen. Aus dem Umfeld der Anklamer Redaktion wird kolportiert, die Insel-Zeitung solle demnächst komplett von einer Agentur produziert werden. Sollte mich nicht wundern.
Der WWF hat heute Alarm geschlagen. Bedingt durch die Hitze und wenig Wind hat sich ein Blaualgen-Film mit einer Länge von 1.600 Kilometern und einer Breite von 190 Kilometern gebildet, der auch die Pommersche Bucht bereits erreicht hat. Das entspricht einer Fläche von 304 km² und damit fast drei Vierteln der gesamten Ostsee (413 km²) und ist beinahe die Größe von Deutschland (357 km²).
Auf Usedom ist die Aussenküste bislang nicht betroffen. Im Achterwasser wurden allerdings Blaualgen an den Badestellen von Quilitz, Balm, Usedom und Pudagla nachgewiesen, eine Sperrung ist aber bis jetzt noch nicht erfolgt.
Das Bild wurde am 11. Juli mit dem Medium Resolution Imaging Spectrometer (MERIS) des Envisat aufgenommen. Hochauflösend und größer gibt es das Bild hier noch einmal.
Die ESA veröffentlicht übrigens jede Woche ein Satellitenbild, das Archiv mit den Aufnahmen der letzten sechs Jahre gibt es hier.
Nachtrag 24.07.2010
Auf diesem Luftbild vom 20.07.2010 ist die südliche Ostsee gut zu sehen. Man kann sehr gut erkennen, wie stark das Achterwasser und vor allem das Stettiner Haff betroffen sind.
Unter dem gelungenen Titel “Ihr Lokruf” hat Vera Gaserow im heutigen Tagesspiegel einen langen und sehr gut recherchierten Bericht über die Karniner Brücke veröffentlicht. Hingehen und lesen!
Es ist heiss. So heiss, dass heute nachmittag in der Ortsdurchfahrt Korswandt der Asphalt anfing zu schmelzen. Beim darüberfahren erinnerte einen das Geräusch an das öffnen eines Klettverschlusses. Das gleiche Bild an der Kreuzung in Ahlbeck und in Richtung Heringsdorf bis zum Autohaus Kruse. Morgen dürfte es dort noch schlimmer sein, Abkühlung ist ja nicht in Sicht.
Dieses Jahr hat es wettertechnisch wirklich in sich. Erst der lange Winter mit unglaublichen Mengen an Schnee, dann im Mai Kälte und Regen satt und jetzt Temperaturen, die an die Hitzewelle im August 2003 erinnern.
Zur Erfrischung ein schönes Stück Motown-Soul aus dem Jahr 1963 von Martha & the Vandellas mit dem passenden Namen: Heatwave.
Apropo 1963. Damals hat es uns bei dieser Hitze als Kindern immer viel Spaß gemacht, wenn bei diesen Temperaturen der städtische Sprengwagen die Straßen abkühlte. Immer schön neben dem Wagen hergelaufen und nassspritzen lassen. Könnte mir heute auch wieder gefallen.
Da waren dann doch wohl ein paar Risiken zu viel im Börsenprospekt genannt:
Andererseits weist das Börsenprospekt auf eine Reihe von Risiken hin, die mögliche Investoren bei ihrer Entscheidung nicht unberücksichtigt lassen sollten. So schreiben die Wirtschaftsprüfer von Rödl & Partner beim Konzernabschluss 2009, dass der Fortbestand des Konzerns von der Aufrechterhaltung und der Verlängerung der im Geschäftsjahr 2010 auslaufenden Kredite abhängig ist. Derzeit ist jedoch nicht bekannt, wie weit die Verhandlungen mit den Banken gediehen sind.
Nach Angaben von Chamartin Meermann soll das alles ohne Auswirkungen auf das operative Geschäft bleiben. Wenn die ihre kurzfristigen Verbindlichkeiten nicht refinanziert bekommen, könnte das auch für Heringsdorf äußerst unschöne Auswirkungen haben. Nicht auszudenken, wenn der Bau des Steigenberger-Hotels zum stehen kommen sollte.