Usedom lässt sich Bären aufbinden

Verstehen kann ich es ja nicht, das beinahe ekstatische Getue auf unserer Insel über die Filmpremiere von Roman Polanskis neuem Film Ghostwriter. Das ging mir bei den Dreharbeiten aber auch schon so. Was um alles in der Welt ist so besonderes daran, wenn unsere Sonneninsel als Double für eine amerikanische Insel bei miserabelstem Wetter herhalten muss?

Immerhin gab es zumindest in Deutschland viel PR während der Dreharbeiten und jetzt noch einmal durch die Verleihung des silbernen Bären, auch wenn Usedom immer in einem Zuge mit Sylt genannt wurde. Ob das tatsächlich die etwa 200.000 Euro Filmförderung durch die Landesregierung wert war, sei einmal dahingestellt. Auf der offiziellen Filmseite ist von Usedom nämlich nichts mehr zu sehen, von Sylt dagegen sehr wohl.

film_sylt.jpg

Einer der Hauptdarsteller, Ewan McGregor, hat übrigens offenbar leichte Schwierigkeiten sich richtig an die Drehorte zu erinnern. Auf n-tv.de wird er wie folgt zitiert:

Die ganzen Dreharbeiten waren eine sehr kalte Angelegenheit. Es war immer regnerisch und grau und feucht.

Im Oberbayrischen Volksblatt erzählt er etwas ganz anderes:

Doch das Wetter auf Sylt und Usedom war viel zu gut. Es vergingen viele Tage mit Warten auf den Regen, und das kostet eine Menge Geld.

Das Leben als Schauspieler muss sehr verwirrend sein.

3 Kommentare ↓

#1 Ursula Ludewig am 23.02.10 um 16:47

Diesen überaus kritischen Unterton des “usedomspotters” verstehe ich nicht…die Insel ist doch ebenso wie Sylt immer wieder im Gespräch,wenn von Polanskis neuem Film berichtet wird. Und die beiden Ewan McGregor- Zitate waren ja wohl Antworten auf zwei verschiedene Fragen, und logischerweise war das Wetter mal kalt und regnerisch- so wie Polanski es für seinen Film haben wollte- und mal kam die Sonne heraus, sodass nicht weitergedreht werden konnte, weil sonst der Schnitt nicht mehr gepasst hätte.

#2 Jürgen am 23.02.10 um 18:52

Was Ewan Mc Gregor angeht: Für mich sind das keine zwei verschiedenen Fragen.

Sicher wird der Name Usedom als Drehort am Rande der Berichterstattung über den Film erwähnt und vielleicht ist die Häufigkeit der Erwähnung marketingtechnisch etwas wert.

Ich sehe es aber als problematisch an, wenn solche kommerziellen Filmproduktionen mit Fördermitteln geködert werden, während gleichzeitig vielen Kulturinitiativen im Land die Förderung zusammengestrichen wird. Der Katzower Skulpturenpark kann ein Lied davon singen.

Vielleicht bin ich etwas zu kritisch in dem Punkt, das hängt dann aber auch mit der Vorgeschichte von Herrn Polanski zusammen.

#3 lupe am 08.03.10 um 15:30

Nein, es ist überhaupt nicht zu kritisch. Die OZ ist genau solchen Themen, wie sie Jürgen im Kommentar nannte, komplett ausgewichen, hat sich lieber zu einem verkümmerten Ableger der BILD gemacht.
Welcher Zuschauer will wissen, wo Filmszenen gedreht wurden? Lächerlich! Der Vergleich mit der teuersten Grillparty, während der Merkel und Bush von einem verkohlten Schwein essen sollten, drängt sich auf. Welcher Ausländer fragt heute noch danach, wo Trinwillershagen liegt?

“Was … ist so besonderes daran, wenn unsere Sonneninsel als Double für eine amerikanische Insel bei miserabelstem Wetter herhalten muss?”

Das wäre eine Frage zahlender Leser an die wochenlang bildlich hyperventilierenden Redakteure der Usedom-OZ gewesen. Die OZ hat mit der aufgeblasenen Schreiberei über den Aufenthalt eines Filmteams und mit der Nachlese dreierlei bewiesen:

1. Sie hat zu wenig Material, um die Zeitung mit Sinnvollem zu füllen.
2. Die Redaktion zeigte, wie piefig-provinziell gedacht wird.
3. Mit dem Aufbauschen solcher Geschichten und andererseits dem Wenigbeachten wichtiger Themen macht sich das Blatt überflüssig.

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