Die Mutter aller Ausreden
Wenn man den Gästen und Einwohnern wieder einmal lapidar erklärt, warum es keine Lösung für die sommerlichen Staus gibt, warum man an der Korswandter Kreuzung in Ahlbeck als Linksabbieger immer eine eiserne Ration für die Wartezeiten dabei haben sollte, warum die Umgehung in Anklam nicht weitergebaut wird oder warum man in Ahlbeck kein vernünftiges Schulzentrum errichten kann, sollten die großen Erklärer sich wenigstens eine gute Geschichte einfallen lassen. Etwa so wie dieser Drehbuchschreiber beim französischen Fernsehsender Canal+. Wie heisst es am Ende des Spots so schön: Unterschätze niemals die Kraft einer guten Geschichte.
Der Sommer ist vorbei, da denkt kaum noch einer an Staus. Erst wieder zum Jahresende geht es los. Da wartet manch Vermieter aber schon auf den kommenden Sommer, wenn endlich der Stau wieder da ist und die Autos anrollen. Ja, und ist der Stau dann 1 Monat lang da, wird wieder von Maut geredet und vergessen, dass die Insel Usedom von Urlaubsgästen mit Auto lebt. Geträumt wird von vollen Zügen und Flugzeugen, in denen die Touristen anreisen dürfen. Auf der Insel soll man ein Fahrrad ausleihen oder die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Das verursacht natürlich auch Kosten für den Urlaubsgast, besonders für Familien mit Kindern. Denken sie einmal daran, wie die Preise von der UBB als Monopolisten in den letzten Jahren gestiegen sind oder was 4 Fahrräder im Verleih kosten. Als Gast hat man die Wahl, wo man seinen Jahresurlaub verbringt. Wir fahren im nächsten Jahr zur polnischen Insel Wollin. Dort gibt es eine breite Europastraße, mit nur wenigen Ortsdurchfahrten, zur Anreise, als auf der Usedom stundenlang im Stau zu stehen. Sogar bei unserer Rückfahrt haben wir fast 2 Stunden gebraucht, um überhaupt die Insel über Anklam verlassen zu können. Nach Saisonende neue Tagung der Experten und geredet, was man so machen könnte, damit die Besucher die Bahn oder das Flugzeug nehmen. So geht es schon 20 Jahre, der größte Teil der Gäste nutzt aber immer noch das Auto und die Karniner Eisenbahnbrücke steht auch noch nicht. Die Korswandter Kreuzung in Ahlbeck kennen wir als Linksabbieger bei unserer Anreise nach Heringsdorf zu genüge. Mein Mann sagte schon vor 12 Jahren, als wir das erste Mal anreisten: Die Kreuzung lassen die ewig, damit wir gleich merken, das wir unser Auto im Urlaub stehen lassen sollen. Vermutlich sehen die Verkehrsplaner es so; solange Urlauber gerne im Stau stehen, braucht man nichts zu ändern. Es gibt nur einen, der was ändern kann, der Urlaubsgast, in dem er einen großen Bogen in der Sommersaison um Usedom macht und die Insel wird staufrei.
Grüße aus Dortmund
Da wir an der B 111 in Heringsdorf wohnen, können wir das Geschehen direkt beobachten. Der Verkehr hat dramatisch zugenommen. Dazu das Heulen der Sirenen von Feuerwehr und Krankenwagen; Fenster kann man kaum noch öffnen. Ich wünsche mir eine Umgehungsstraße.