Monatsarchiv für Juli 2010

20 Jahre Morgenitzer Töpfermarkt

Es war schön wie immer, allerdings nicht ganz so voll ob der Hitze. Bewundernswert wie Astrid Dannegger Jahr für Jahr der Versuchung widersteht, den Markt zu vergrößern, obwohl es reichlich Anfragen von Kollegen gibt. Bewundernswert auch, wie sich die Gemeinde Morgenitz über 20 Jahre ihren Charakter erhalten hat. Weiter so!

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Bitter war in diesem Jahr nur die letzte Runde von Pastor Fritz von Kymmel auf dem Töpfermarkt. Am Ende hat er leider doch angesichts der ständigen Stellenkürzungen durch die Landeskirche resigniert und geht weg. Ein Jammer.

One-Hit-Wonder

Ich habe mich tatsächlich heute morgen überwunden, um 6.30 Uhr aufzustehen, um dem One-Hit-Wonder “ICE in Heringsdorf” beizuwohnen. Kurz vor dem Eintreffen des Zuges kündigte sich schon die Größe des Ereignisses an in Form einer massiven Präsenz der Staatsgewalt. Reichlich Uniformierte und über dem Bahnhof kreiste 15 Minuten lang ein Hubschrauber der Bundespolizei. Etwas enttäuschend, dass keine Luftabwehrkanonen und gepanzerte Fahrzeuge zum Einsatz kamen.

Pünktlich um 7.31 Uhr fuhr der ICE dann in Heringsdorf ein.

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Ab 11.00 Uhr gibt es dann die öffentliche Taufe. Auf das obligatorische Zerschmettern einer Champagnerflasche wird dem Vernehmen nach verzichtet. Nach den jüngsten Ereignissen befürchten die Verantwortlichen der DB, die Flasche könnte die Karosserie durchschlagen.

10 Jahre Planung Ortsumgehung Wolgast

Es gibt ein altes Sprichwort, das da lautet: Unrecht Gut gedeiht nicht. Man könnte fast meinen, das treffe auch auf die Ortsumgehung Wolgast zu. Die Zusage für deren Bau war bekanntlich eine der Kompensationsleistungen für die Zustimmung der rot-roten Landesregierung zur sogenannten Steuerreform der rot-grünen Bundesregierung am 14. Juli 2000.

Am 12. Oktober 2000 kündigte der damalige Ministerpräsident Ringstorff bei einer Bereisung des Landkreises den Beginn der Planungsarbeiten für den Dezember 2000 an. Lange bevor die Ortsumgehung Wolgast überhaupt im Bundesverkehrswegeplan war. Seit dem Beschluss der Bundesregierung vom 2. Juli 2003 ist die Ortsumgehung unter der Nummer MV 8035 als neues Vorhaben mit besonderem naturschutzfachlichem Planungsauftrag im vordringlichen Bedarf verankert mit Baukosten für den Bund in Höhe von 39 Millionen Euro.

Das zuständige Straßenbauamt Stralsund schritt irgendwann im Jahr 2001 dann flott zur Tat und es begann ein intensives Planen für die Ralf-Sendrowski-Gedächtnisbrücke. Im Mai 2003 ging das Straßenbauamt bereits von Baukosten in Höhe von 50 Millionen Euro aus. Dumm nur, dass sich nach Abschluss der Vorplanung der Finanzierungsbedarf auf 84 Millionen Euro belief. Da muss wohl kräftig etwas aus dem Ruder gelaufen sein. Was tun? Streichen, kürzen, irgendwie wieder in die Nähe der ursprünglichen Kosten kommen. Gestrichen wurden dann im wesentlichen die sogenannten Überwerfungsbauten, die eine kreuzungsfreie Einbindung der Umgehungsstraße in das Straßennetz ermöglichen sollten (als Beispiel sei die Anklamer Redoute genannt). Diese sollen jetzt durch Ampeln ersetzt werden. Schöne Aussichten auf neue Staupunkte.

Aber auch das brachte die Kosten nur auf 72 Millionen Euro herunter. Rein zufällig und natürlich ohne jeden sachlichen Zusammenhang hat man im Juni diesen Jahres dem Straßenbauamt Stralsund den Planungsauftrag entzogen und diesen an die DEGES übergeben, was ein ziemlich einmaliger Vorgang ist. Angeblich soll das Bundesverkehrsministerium alle weiteren Arbeiten auf Eis gelegt haben, bis geklärt ist wie es zu dieser Kostenexplosion kommen konnte und wie die Kosten wieder auf ein erträgliches Maß gebracht werden können.

Nachdem man im Jahr 2003 den Baubeginn für 2006, im Jahr 2005 den Baubeginn für 2009 und in diesem Jahr den Baubeginn für 2013 angekündigt hat, wage ich jetzt und hier die Prognose: Vor 2020 wird das nichts. Das Planfeststellungsverfahren hat noch nicht einmal begonnen und ich würde drauf wetten, es wird Klagen geben in dem Verfahren.

Falls ich dann noch blogge, habe ich auch schon eine passende Überschrift: 20 Jahre Planung Ortsumgehung Wolgast.

Feine Schwarzweiß-Bilder aus 20 Jahren

Über einen Tip des Greifswalder Antiquars Dr. Ulrich Rose, der unter Ätherflügel und Pflasterstiefel auch bloggt, habe ich seit ein paar Tagen einen kleinen, feinen Bildband mit 94 Schwarzweiß-Fotos der Insel Usedom aus den vergangenen 20 Jahren vor mir liegen.

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Trotz des ungewöhnlichen Formats für einen Bildband, nämlich gerade einmal Taschenbuchgröße, entwickeln viele der Bilder eine regelrecht suggestive Kraft. Ich habe es immer wieder in die Hand genommen, um mich auf die einzelnen Bilder einzulassen, sehr wohltuend und sehr entspannend.

Der Fotograf gibt sehr wenig von sich preis, um genau zu sein eigentlich gar nichts, macht aber in seinem Vorwort ein paar Aussagen, die sich viele Inselpolitiker ins Buch schreiben sollten.

Auch wenn es nicht so scheint, aber bezeichnend für die Insel sind nicht die vollen Strände, die Blechlawinen, Promenaden und Hotelketten. Die Natur, unverstellt, wenn nicht gar unberührt, als auch die Kulturlandschaft, verleiht der Insel ihren Charakter.

Auch hier reichen schon Momente des Nachdenkens und richtigen Handelns, die Usedom letztlich das erhalten, was viele hier gleichzeitig ersehnen und suchen: unberührte Natur, Erholung und Friedfertigkeit.

Das Buch sollte es in den meisten Inselbuchhandlungen geben. Es kostet 11,90 €, die in jedem Fall gut angelegt sind.

Vorschnell

Dieser Tage fuhr ich hinter einem Auto aus unserem Landkreis her, dessen Heckscheibe mit einem Spruch beklebt ist, der bei mir sofort einen Reflex auslöste: Schon wieder so ein Nazidepp!

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Zum Glück habe ich erst einmal den Internetkraken befragt und erlebt, wie man mit vorschnellen Schlüssen ganz schön daneben liegen kann. Anders als vermutet, ist die Aussage des Textes und des Bildes keine politische, sondern eine musikalische. Damit geben sich Anhänger der Electronic Body Music (EBM) zu erkennen.

Die Szene gilt als unpolitisch, bedient sich aber aus irgendwelchen Gründen gerne solch seltsam anmutender Symbolik.

Kennen Sie die Küste?

Qualitätsmedien bauen heutzutage gerne als Wissenstest getarnte Klickstrecken in ihre Onlineausgaben ein. Bei dem Test “Kennen Sie die Küste” des Stern darf man zur Beantwortung von 15 Fragen gefühlte 150 mal auf “weiter” klicken, um bis ans Ende zu gelangen. Sie denken jetzt sicher, das sei doch für den Nutzer äusserst unbequem? Genau. Es kommt dem Verlag aber in keinster Weise auf den Komfort des Lesers an, einziges Ziel dieser Methoden ist es, möglichst viele Klicks zu generieren, um den Werbekunden besser zur Kasse bitten zu können.

Dieser Wissenstest wäre hier keine Erwähnung wert, hätte nicht der Stern bei der Auflösung einer der Fragen einen schönen Bock geschossen.

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Peene? Ganz klar, die kann nur bei Peenemünde in die Ostsee fliessen.

Dumm nur, dass die Peene etwa 10 Kilometer östlich von Anklam in den sogenannten Peenestrom fliesst und eben nicht in die Ostsee.

Was die Redaktion des Stern angeht, kann man die im Titel gestellte Frage getrost verneinen.

Bahnchef macht Blitzvisite

Am Samstag war Bahnchef Rüdiger Grube auf Einladung seines Vorvorgängers und bekennendem Usedomliebhaber, Dr. Johannes Ludewig, zu einem Besuch auf Usedom. Auf dem Programm des informellen Besuchs stand unter anderem auch die Besichtigung der Karniner Brücke. Dem Vernehmen nach hat es Herrn Grube auf unserer Insel ausnehmend gut gefallen, es soll nicht der letzte Besuch bleiben.

Über die Mühsal einer Bahnfahrt an die Ostsee

Markus Falkner schreibt heute in der Berliner Morgenpost über das Thema Bahnanbindung der Ostsee und widmet sich auch der Situation auf Usedom: Gebremst an die Ostsee.

… die im Regionalverkehr eingesetzten Doppelstockzüge sind nämlich keineswegs für die Beförderung von Langstrecken-Reisenden mit Urlaubsgepäck konstruiert. Gepäckablagen etwa wie im ICE oder IC fehlen. Und die vergleichsweise schmalen und harten Sitze in den Regionalzügen bieten wenig Komfort auf langen Strecken.

Dem kann man aus eigener leidvoller Erfahrung nur zustimmen. Selbst die 2:20 Stunden von Anklam nach Berlin mit dem Regional-Exzess sind eine Qual. Der Mensch, der für das Design der Sitze verantwortlich war, muss in einem früheren Leben ein Folterknecht gewesen sein.